Der US-Dollar steht nach einer kurzen technischen Erholung erneut unter Druck. Ausschlaggebend sind sinkende Renditen langlaufender US-Staatsanleihen, die den Zinsvorteil des Greenback abschwächen. Damit geraten vor allem zinssensitive Währungspaare wie USD/CAD und USD/CHF wieder nach unten. Für den Markt kommt es nun darauf an, ob die anstehenden US-Konjunkturdaten und Äußerungen von Vertretern der Federal Reserve das Bild einer nachlassenden Konjunktur bei zugleich hartnäckiger Inflation bestätigen.
Zwar stützt die Nachfrage nach sicheren Häfen im Zusammenhang mit den Spannungen rund um den Iran den Dollar weiterhin etwas. Bisher reicht das jedoch nicht aus, um die breitere kurzfristige Abschwächung zu drehen.
Sinkende Treasury-Renditen bremsen die Dollar-Erholung
Die jüngste Aufwärtsbewegung des Dollar wirkt zunehmend wie eine Gegenbewegung innerhalb des bestehenden Trends und nicht wie ein nachhaltiger Richtungswechsel. Mit den rückläufigen Renditen am langen Ende des US-Anleihemarkts hat auch die Nachfrage nach dem Dollar nachgelassen.
Ein wesentlicher Treiber ist die Markterwartung, dass das US-Finanzministerium seine Rückkaufoperationen für Anleihen ausweiten könnte. Ein breiter angelegtes Buyback-Programm würde in der Regel die Liquidität am Markt für US-Staatsanleihen verbessern und die Kurse stützen. Das wiederum übt tendenziell Druck auf die Renditen aus.
Für den Devisenmarkt ist das relevant, weil niedrigere Renditen den Zinsvorteil des Dollars gegenüber anderen großen Währungen schmälern. Gerade in einer Phase, in der Investoren zunehmend auf Anzeichen einer Wachstumsabkühlung in den USA achten, wird es damit schwieriger für den Dollar, seine Erholung fortzusetzen.
BIP-Revision, Kern-PCE und Konsumdaten rücken in den Mittelpunkt
In den kommenden Tagen steht eine dichte Folge wichtiger US-Makrodaten an. Dazu zählen die revidierte BIP-Zahl für das zweite Quartal, der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben (Core PCE), die Daten zu persönlichen Einkommen und Ausgaben sowie die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter.
Derzeit wird erwartet, dass das US-Wachstum im zweiten Quartal von 2,1% auf 1,5% nach unten revidiert wird. Sollte sich das bestätigen, würde das die Einschätzung untermauern, dass die Konjunkturdynamik nachlässt. Gleichzeitig wird für den Kern-PCE ein Anstieg von 3,3% im Jahresvergleich und 0,2% zum Vormonat erwartet.
Eine Kombination aus schwächerem Wachstum und weiterhin zäher Inflation würde die Lage für die Fed komplizierter machen. Eine Abkühlung der Wirtschaft würde die Märkte sensibler für die Perspektive späterer Zinssenkungen machen, während ein hohes Niveau der Kerninflation den Spielraum für einen Kurswechsel begrenzen würde. Für den Dollar muss diese Gemengelage nicht zwingend eine klare Einbahnstraße bedeuten, sie dürfte aber die Intraday-Volatilität erhöhen.
Fed-Kommentare könnten Zinserwartungen neu justieren
Neben den Daten achten Händler genau darauf, wie Fed-Vertreter die Inflationsrisiken und die Anzeichen einer schwächeren Konjunktur einordnen. Schlagen die Währungshüter einen vorsichtigen Ton an, könnten die Märkte ihre Erwartungen daran anpassen, wie lange die Zinsen hoch bleiben müssen. Sollte in den Kommentaren stärker die Wachstumsseite betont werden, könnte sich der jüngste Rücksetzer des Dollars vertiefen.
Entscheidend ist dabei weniger, ob ein einzelner Datenpunkt über oder unter den Erwartungen liegt. Wichtiger ist, ob die Gesamtheit der Daten den Marktblick auf den künftigen geldpolitischen Pfad der Fed verändert.
USD/CHF gibt Gewinne der Vorwoche ab und testet erneut 0,8000
USD/CHF war in der vergangenen Woche noch bis auf 0,8045 gestiegen, konnte das Niveau aber nicht halten. Inzwischen ist das Paar wieder in Richtung 0,8000 zurückgefallen. Im Tageschart folgte auf die Erholung eine Dark-Cloud-Cover-Formation, was auf wieder aufgekommenen Verkaufsdruck hindeutet und dafür spricht, dass der kurzfristige Aufwärtsimpuls keine Anschlusskäufe ausgelöst hat.
Sollte der Dollar weiter nachgeben, könnte USD/CHF unter 0,7980 fallen und sich dem vorherigen Tief im Bereich von 0,7950 nähern. Diese Zone dürfte ein wichtiger Test dafür werden, ob die Abwärtsdynamik intakt bleibt.
Auf der Oberseite würde eine Rückkehr über 0,8045 das aktuelle negative technische Bild abschwächen. In diesem Fall könnte der Markt eine weitere technische Gegenbewegung einpreisen.
Für USD/CHF stehen neben den US-Daten auch der Schweizer ZEW-Index der Konjunkturerwartungen im Fokus. Das Paar bleibt damit nicht nur von der Dollar-Seite abhängig, sondern auch anfällig für Veränderungen im Schweizer Stimmungsbild.
USD/CAD dreht wieder nach unten, Zone 1,3740 bis 1,3780 im Blick
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei USD/CAD. Nach dem Versuch, die vorangegangene Erholung auszubauen, hat das Paar erneut nach unten gedreht. Auch hier weist der Tageschart auf eine Dark-Cloud-Cover-Formation hin, was auf klaren Widerstand während der Erholungsphase schließen lässt.
Setzt sich die aktuelle Abwärtsbewegung fort, könnte USD/CAD in Richtung der Zone von 1,3740 bis 1,3780 zurückfallen. Dieser Bereich dürfte für den Markt eine zentrale Referenz bleiben, um zu beurteilen, ob sich der kurzfristige Rückgang ausweitet.
Damit sich eine neue technische Erholung etablieren kann, müsste USD/CAD zunächst über 1,3870 zurückkehren und sich darüber behaupten. Erst ein überzeugender Anstieg über dieses Niveau würde darauf hindeuten, dass der frühere Rückgang in eine vorübergehende Korrektur übergeht und nicht lediglich der übergeordnete Trend fortgesetzt wird.
Kanadische Großhandelsumsätze, US-Öllager und Barkin im Fokus
Zusätzlich zu den US-Daten reagiert USD/CAD auch auf die kanadischen Zahlen zu den Großhandelsumsätzen. Ein robuster Wert aus Kanada könnte dem kanadischen Dollar zusätzlichen Rückenwind geben.
Beobachtet werden zudem die US-Rohöllagerdaten. Da der kanadische Dollar häufig mit den Bewegungen am Ölmarkt korreliert, kann Volatilität bei Rohöl über rohstoffbezogene Kapitalströme und die allgemeine Risikostimmung direkt auf USD/CAD durchschlagen.
Im Fokus stehen außerdem Äußerungen von Thomas Barkin, Mitglied des Federal Open Market Committee. Hält er an einer klaren Betonung der Inflationsrisiken fest, könnte das dem Dollar etwas Unterstützung geben. Legt er stärkeres Gewicht auf die Wachstumsabkühlung, könnte das den kurzfristigen Verkaufsdruck auf den Greenback verstärken.
Nächste Dollar-Bewegung hängt am Zusammenspiel von Wachstum und Inflation
Die Erholung des Dollars hat sichtbar an Schwung verloren, wobei vor allem die fallenden Treasury-Renditen belasten. Geopolitische Spannungen sorgen zwar weiterhin für eine gewisse Nachfrage nach sicheren Häfen, bislang aber nicht in einem Ausmaß, das einen nachhaltigen Aufwärtstrend auslösen würde.
Für USD/CAD und USD/CHF wird nun entscheidend sein, ob die US-BIP-Revision, der Kern-PCE, die Konsumdaten und die Auftragseingänge langlebiger Güter das Bild einer nachlassenden Konjunktur ohne spürbare Entspannung bei der Inflation bestätigen. Fallen die Daten schwächer aus als erwartet, dürfte der Dollar unter Druck bleiben und beide Paare könnten ihre Rückgänge ausweiten. Zeigen sich die Zahlen robuster oder übertreffen die Prognosen, könnte der Greenback wieder Käufer anziehen und eine erneute technische Erholung starten. Ausschlaggebend ist für den Markt dabei nicht nur das Datenniveau selbst, sondern vor allem die Frage, ob sich dadurch die Erwartungen an die geldpolitische Balance der Fed verschieben.