Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit Kryptowährungsbesitzer bei gewaltsamen Überfällen um mehr als 30 Millionen US-Dollar beraubt – ein neuer Höchststand, der das Jahr möglicherweise zum gewaltsamsten für Krypto-Investoren macht. Laut einem Bericht des Blockchain-Analyseunternehmens Chainalysis entspricht dieser Betrag fast der Hälfte der Summe von 58 Millionen US-Dollar aus dem gesamten Jahr 2025. Hält der Trend an, könnte die Rekordmarke noch übertroffen werden.
Frankreich als Brennpunkt für gewaltsame Krypto-Diebstähle
Die Analysen zeigen, dass Frankreich besonders stark von solchen Angriffen betroffen ist. Während 2025 lediglich 19 Fälle offiziell gemeldet wurden, liegt die Zahl im ersten Halbjahr 2026 bereits bei über 30 dokumentierten Vorfällen – mit einer Dunkelziffer, die vermutlich deutlich höher ist. Innenminister Laurent Nunez berichtete Ende Juni von mehr als 70 erfassten Gewaltstraftaten im Zusammenhang mit Kryptowährungen. Die Attacken erstrecken sich inzwischen nicht nur auf Paris, sondern auch auf Städte wie Straßburg, Marseille, Grenoble, Toulouse und Nantes.
Beispiele aus dem Frühjahr 2026 illustrieren das Ausmaß: Im April wurde eine Familie in Nordwestfrankreich bei einem bewaffneten Überfall mehrere Stunden festgehalten und zu Überweisungen von rund 820.000 US-Dollar in Krypto gezwungen. Im März zwangen Täter, die sich als Polizisten ausgaben, ein Paar im Großraum Paris, Bitcoins im Wert von etwa einer Million US-Dollar zu übertragen. Ein Überfallversuch im Februar auf das Haus des Leiters von Binance Frankreich führte zu drei Festnahmen.
Datenlecks als Hauptursache für Anstieg kriminalitäts
Chainalysis weist auf einen entscheidenden Auslöser hin: Ein Datenleck aus dem Jahr 2024, bei dem ein französischer Steuerbeamter in Paris sensible Informationen von vermögenden Kryptobesitzern – darunter Namen, Adressen, Depotinformationen und Steuerunterlagen – gestohlen und an kriminelle Netzwerke verkauft haben soll. Zusätzlich führte ein öffentlich bekannt gewordener Fall aus dem Januar 2026 rund um den Krypto-Steuerdienstleister Waltio mit einem Datenverlust von etwa 50.000 Nutzern zu einer Verdopplung der Gewaltvorfälle von durchschnittlich 1,9 monatlich 2025 auf 4,6 Anfang 2026.
Aufgrund der eskalierenden Kriminalität gingen die französischen Strafverfolgungsbehörden mit hoher Schlagkraft vor: Bis Mitte Jahr fanden rund 200 Festnahmen statt, 88 Beschuldigte wurden offiziell angeklagt und 75 befinden sich in Untersuchungshaft.
Verlagerung der Angriffsziele auf nahe Angehörige
Eine weitere Entwicklung ist die zunehmende Zielrichtung auf Verwandte und Bekannte der Kryptobesitzer. Die Berichte zeigen, dass Angriffe gegen Familien oder Freunde der Opfer seit 2021 von nahezu null auf 25 bis 30 Prozent aller Fälle gestiegen sind – in Frankreich sogar auf über 40 Prozent. Zudem liegt der Anteil der bewaffneten Hausüberfälle im Jahr 2026 bei 37 Prozent (2025: 14 Prozent), während 52 Prozent der Taten Entführungen entsprechen. Einige als Entführungen kategorisierte Fälle entpuppten sich jedoch eher als Hausüberfälle, weswegen die reale Zahl der gewaltsamen Eindringversuche höher ausfällt.
Die Mehrheit der Opfer sind lokale Bewohner und keine Touristen: in Frankreich 93 Prozent, Brasilien 82 Prozent, USA 77 Prozent, was auf gezielte Vorbereitung etwa durch intensive Recherche hindeutet. Trotz der steigenden Anzahl an gewaltsamen Attacken verringerte sich im ersten Halbjahr 2026 die Erfolgsquote der Diebstähle: Nur 26 Prozent der Überfälle führten zu einem tatsächlichen Transfer der Kryptowährungen, gegenüber 49 Prozent 2025 und 67 Prozent 2024. Chainalysis interpretiert dies als Folge vermehrter wahlloser Angriffe ohne gezielte Informationen.
Weg der gestohlenen Kryptowährungen und Geldwäsche
Nach den Angriffen werden die gestohlenen Krypto-Assets oft schnell weitergeleitet. Die Geldwäsche erfolgt über zentralisierte Börsen, dezentrale Handelsplattformen, Brückenprotokolle und Cross-Chain-Transaktionen. Dabei konnten Verbindungen zu illegalen Austauschdiensten aufgedeckt werden, die unter anderem von organisierten Banden für Geldwäsche, Drogenhandel und Terrorismusfinanzierung genutzt werden.
Die Häufung von Gewaltverbrechen in Verbindung mit Datenlecks und kriminellen Netzwerken in Frankreich stellt für Besitzer digitaler Vermögenswerte eine zunehmende Bedrohung dar. Behörden intensivieren ihre Ermittlungen, während Anleger und Dienstleister verstärkt auf Sicherheitsmaßnahmen und den Schutz vor physischen Angriffen achten sollten.